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„Er ist zurück“ ­­– Umgang mit Krebsrezidiven

Man spricht von einem Rezidiv, wenn der Krebs nach der Behandlung erneut auftritt. Dies kann Wochen, Monate oder sogar Jahre nach der Behandlung des primären oder ursprünglichen Krebses geschehen. Ihr Arzt kann unmöglich mit Sicherheit wissen, ob der Krebs wieder auftreten wird. Die Wahrscheinlichkeit eines Rezidivs hängt von der Art des Krebses ab.

Warum und wie Krebs wieder auftritt

Der Krebs kehrt zurück, weil Rückstände der Krebszellen nach der Behandlung im Körper verbleiben können. Mit der Zeit können sich diese Zellen vermehren und groß genug werden, um Symptome zu verursachen oder bei Nachsorgeuntersuchungen gefunden zu werden. Wann und wo der Krebs wieder auftritt, hängt von der Art des Krebses ab. Einige Krebsarten haben ein zu erwartendes Muster des Wiederauftretens. Ein Rezidiv kann auf folgende Arten entstehen:

  • Im gleichen Körperteil wie der primäre Krebs, ein so genanntes lokales Rezidiv
  • In der Nähe des Ortes, an dem der ursprüngliche Krebs diagnostiziert wurde, in Lokalisationen die weder operiert noch bestrahlt wurden, ein so genanntes regionales Rezidiv
  • In einem anderen Teil des Körpers, genannt Fernrezidiv

Ein Rezidiv wird nach dem Ort benannt, an dem der primäre Krebs begann, auch wenn er in einem anderen Teil des Körpers wieder auftritt. Wenn zum Beispiel Brustkrebs entfernt wurde und in der Leber wieder auftritt, wird er immer noch als Brustkrebs und nicht als Leberkrebs bezeichnet. Ärzte nennen ihn metastasierenden Brustkrebs. Metastasierend bedeutet dabei, dass sich der Krebs auf einen anderen Teil des Körpers ausgebreitet hat.

Diagnose eines Rezidivs

Nach der Behandlung des Krebses erhalten Sie einen Nachsorgeplan. Dieser Plan enthält alle Untersuchungen, die möglicherweise mit weiteren regelmäßigen Tests einhergehen. Solche Untersuchungen sind wichtig, um sicherzustellen, dass Sie gesund und krebsfrei sind. Je nach Art der Krebserkrankung werden möglicherweise Bluttests oder Röntgenaufnahmen gemacht. Wenn Sie keine Symptome aufweisen, reichen jedoch in der Regel eine sorgfältige körperliche Untersuchung und ein Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt vollkommen aus.

Bei Verdacht auf ein Wiederauftreten der Krebserkrankung werden weitere Tests durchgeführt. Diese Tests können Labortests, Röntgenaufnahmen oder Biopsien umfassen.

Behandlungsentscheidungen treffen

Wenn durch die durchgeführten Tests bestätigt wird, dass bei Ihnen ein rezidivierender Krebs vorliegt, wird Ihr Arzt mit Ihnen über Ihre Behandlungsmöglichkeiten sprechen. Dieser Prozess ähnelt der Planung der Behandlung eines primären Krebses. Dabei wird Ihr Arzt die folgenden Faktoren berücksichtigen:

  • Die Ziele der Behandlung
  • Die Art des Krebses, wo im Körper er wieder aufgetreten ist, und die Größe
  • Ihren allgemeinen Gesundheitszustand
  • Die Art der Behandlung, die Sie ursprünglich erhalten haben, und wie gut sie angeschlagen hat
  • Nebenwirkungen, die bei der ursprünglichen Behandlung aufgetreten sind
  • Wie lange es her ist, dass die Behandlung beendet wurde

Die Linderung von Symptomen und Nebenwirkungen ist ein wichtiger Teil Ihrer Behandlung. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Symptome, sowohl über neue Symptome als auch über eine Veränderung der Symptome.

Umgang mit dem rezidivierenden Krebs

Wenn der Krebs zurückkommt, kehren sehr wahrscheinlich auch viele der Emotionen zurück, die Sie nach Ihrer ursprünglichen Diagnose verspürt haben. Schock, Unglaube, Angst, Furcht, Zorn, Trauer und ein Gefühl des Kontrollverlustes und der Ohnmacht sind häufige Emotionen. Manche Menschen finden diese Diagnose vielleicht sogar noch erschütternder als die erste.

Viele Menschen mit rezidivierendem Krebs erleben auch Zweifel an ihren ursprünglichen Behandlungsentscheidungen oder an den Entscheidungen, die sie nach der Behandlung getroffen haben. Denken Sie daran, dass Sie und Ihre behandelnden Ärzte diese auf der Grundlage der zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Informationen getroffen haben. Weder Sie noch das Gesundheitspersonal konnten die Zukunft vorhersagen.

In dieser Situation ist es verständlich, dass Sie sich Sorgen machen, ob Sie die Kraft haben werden, einen weiteren Spießroutenlauf von Tests und Behandlungen zu überstehen.

Viele Krebspatienten finden jedoch, dass sie durch ihre bisherigen Erfahrungen besser darauf vorbereitet sind, sich den Herausforderungen zu stellen:
  • Wissen über die Krankheit Krebs, was helfen kann, einige Ängste und Befürchtungen im Zusammenhang mit dem Unbekannten abzubauen
  • Früherer Kontakt zu Ärzten, Krankenschwestern und Klinik- oder Krankenhauspersonal
  • Ein Verständnis des medizinischen Systems und des fachmedizinischen Vokabulars
  • Wissen über Krebsbehandlungen und ihre Nebenwirkungen sowie über Strategien zur Behandlung von Nebenwirkungen
  • Anlaufstellen zur Unterstützung, einschließlich Familie und Freunde, Selbsthilfegruppen und Fachleute, die in der Bereitstellung psychosozialer Unterstützung geschult sind
  • Erfahrung in der Anwendung von Methoden zum Abbau von Stress, wie z.B. Bewegung, Meditation oder Zeit mit Familie und Freunden

Es ist normal, nach der Diagnose eines Krebsrezidivs emotionalen Stress zu empfinden. Zögern Sie nicht, professionelle Hilfe aufzusuchen, wenn der Leidensdruck zu intensiv wird und Ihr tägliches Leben zu sehr einschränkt. Eine psychoonkologische Beratung kann Ihnen helfen,

  • die Diagnose zu akzeptieren und zu verarbeiten
  • mit den eigenen Gefühlen umzugehen
  • mit den Krebssymptomen und den Nebenwirkungen der Behandlung umzugehen

Dies kann auch ein guter Zeitpunkt sein, de Beitritt zu einer Selbsthilfegruppe oder Online-Gemeinschaft zu erwägen, um Ihre Gefühle und Erfahrungen mit anderen in der gleichen Situation zu teilen.

Man kann nie sicher sein, dass der Krebs nicht zurückkommt, aber mit einer guten regelmäßigen Nachsorge, einem bewussten Lebensstil und Wachsamkeit bezüglich zurückkehrender Symptome lässt sich das Risiko verringern und ein Rezidiv frühzeitig diagnostizieren.