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Wie können Angehörige einen krebskranken Patienten unterstützen?

Die Diagnose Krebs bringt das Leben eines Betroffenen sowie der Angehörigen total durcheinander. Wenn wir von Angehörigen sprechen, denken wir an den Ehemann, an die Ehefrau, an die Kinder, die Eltern, an Freunde. Für das Umfeld ist es nicht ganz einfach den richtigen Platz zu finden beziehungsweise die richtige Rolle einzunehmen. Zwischen dem Bedürfnis präsent zu sein, der Angst etwas falsch zu machen, zu viel helfen zu wollen, zu wenig zu unterstützen und der Erwartungen des Betroffenen, fällt es manchmal schwer sich ausreichend zuzuhören und den Gefühlen genügend Raum zu geben. Mit der Hilfe eines Onkologen, werden wir das Thema, „Wie Angehörige einen krebskranken Patienten unterstützen können“ behandeln. Welche Ratschläge können wir Angehörigen für den Alltag geben?

Krebs: Für Betroffene da sein!

In der Psychologie versteht man unter soziale Unterstützung, dass man sich gegenseitig unterstützt (Gentry et Kobasa 84). Soziale Unterstützung kann von Lebenspartnern, Freunden, Familienmitgliedern aber auch Arbeitskollegen oder selbst Medizinern, die man im Laufe der Krankheit kennengelernt hat, gegeben werden. Allgemein wird davon ausgegangen, dass soziale Unterstützung zu einem besseren Zustand der Gesundheit, selteneren Erkrankungen und höherer Lebenserwartung führt. (Berkman, 1995 ; Cohen et Syme, 1985 ; Pearlin, 1985 ; Sarason, Sarason, Potter et Antoni, 1985 ; Thoits, 1986 ; Vaux, 1988) Dies gilt vor allem für die Krankheit Krebs (Martin et Al, 94).

Soziale Unterstützung kann 4 Ausprägungen annehmen:

  • Emotionale Unterstützung (Liebe, Zuneigung, Vertrauen, Zuspruch,…)
  • Instrumentelle Unterstützung (Konkrete Hilfen wie finanzielle Unterstützung, Übernahme von Haushaltstätigkeiten, o.ä.)
  • Informative Unterstützung (Informationen, die helfen, ein Problem in den Griff zu bekommen)
  • Bewertende Unterstützung (Bewertungen, die Personen Wertschätzung, Anerkennung o.ä. entgegenbringen)

Wie kann man helfen und im Alltag da sein?

Sich daran erinnern, dass man nicht weiß, was der andere durchmacht

Jeder Krebs und jedes Erlebte ist „einmalig“. Nur weil Du die betroffene Person gut kennst, heißt das noch lange nicht, dass Du weißt, was sie durchmacht. Die Situation mit einer ähnlichen Situation vergleichen, ist keine große Hilfe. Vermeide vor allem Vergleiche, wie „als meine Nachbarin Krebs hatte…“.

Ich weiß nicht, was Du durchmachst, aber ich bin mit und bei Dir!

Man selbst bleiben

Ändere nicht Deine Haltung, bleib Du selbst. Wenn Dir die Krankheit unangenehm ist, meide trotzdem nicht den Kontakt. Behalte Deine Gewohnheiten bei, noch besser, passe sie dem Krankheitszustand an. Ihr seid zum Beispiel gerne zusammen ins Kino gegangen? Schlag doch einfach vor, einen Film gemeinsam zu Hause zu gucken.

Nicht immer nur positiv bleiben

Es ist nicht immer einfach die richtigen Worte zu finden. Man könnte meinen, dass es wichtig ist immer positiv eingestellt zu bleiben und aufbauend zu wirken. Aber manchmal können Sätze, wie „das wird schon wieder, weiter positiv denken, das schaffst Du schon“ falsch ankommen. Die betroffene Person kann sich nicht gehört und missverstanden fühlen. Manchmal ist es wichtig zu akzeptieren, dass man keine Antwort parat hat, manchmal muss man schweigen, um zuzuhören.

Höre zu und gib Deinem Gegenüber Raum

Ängste,  Sorgen, Schmerz… Zuhören und verstehen ist wichtig. Die harte Prüfung und den ganzen Stress, die Dein Gegenüber durchmacht, sollte man nicht runterspielen. Im Gegenteil, nimm seine/ihre Gefühle an „Ich weiß nicht, was Du fühlst, aber ich verstehe, dass Du Angst hast. Ich bin für dich da, falls Du mich brauchst“.

Eine konkrete und praktische Hilfe sein. Aber was ist eine konkrete Hilfe?

Wir meinen eine praktische, spontane Unterstützung, die dabei hilft den Alltag zu meistern. Vermeide Sätze, wie, „Ich bin für Dich da“ oder „Ruf an, wann immer Du willst“.  Auch wenn Du es nur gut meinst, fällt es manchen Betroffenen schwer explizit nach Hilfe zu fragen. Eine falsche Hilfe kann schnell zur Last fallen.

Hier ein paar Beispiele, was Du an Hilfe vorschlagen kannst: einkaufen gehen, Essen vorbereiten, die Kinder von der Schule abholen, zu Arztterminen begleiten (zB zur Chemo, damit die Zeit schneller rumgeht), von Zeit zu Zeit eine kleine Aufmerksamkeit bringt Freude, helfen eine Perücke auszusuchen, die Nägel mit Silicium Nagellack lackieren, zuhören, ablenken.

Zusammenfassung

Eine gute Hilfe ist die perfekte Mischung aus dem, was der Betroffene/die Betroffene bereit ist zu empfangen und dem, was Du bereit bist zu geben. Anbei ein paar Ratschläge der kanadischen Assoziation Procure.

Informiere Dich: Über die Krankheit, den Behandlungsablauf und die Nebenwirkungen, um den Gesundheitszustand besser verstehen zu können.

Wäge ab: Wird die emotionale und/oder finanzielle Hilfe die Du bietest wirklich benötigt? Wenn Du nicht sicher bist, frag am besten…

Bleibe realistisch: Nimm Dir nicht zu viel vor. Überschätze Dich nicht und nimm Dir nur Dinge vor, die Du auch umsetzen kannst. Gib vor allem keine leeren Versprechen.

Vergiss nicht an Dich selbst zu denken ! Es ist ganz normal, dass Du Deine eigenen Bedürfnisse und Emotionen hinten anstellst. Jedoch gibt es bestimmt Momente, in denen Du dich müde, gereizt oder erschöpfst fühlst.  Das ist kein Grund um sich schuldig zu fühlen. Auch Du kämpfst gegen die Krankheit und auch Du hast das Recht nach Hilfe zu fragen.

Die Schwierigkeiten des Angehörigen / Helfers

Die Bedürfnisse des Anderen einzuschätzen: zu wissen, was man machen/geben kann und was nicht. Trau Dich zu fragen.

Veränderungen akzeptieren:   Müdigkeit des Betroffenen, schwindende Kraft, Launenhaftigkeit, psychisches Auf und Ab – sei nachsichtig und empathisch. Der Betroffene durchlebt eine schwierige Lebensphase, es kann durchaus vorkommen, dass er oder sie „daneben“ oder auch apathisch reagiert. Akzeptanz kann Dir helfen besser mit der Situation umzugehen und Konflikte zu vermeiden.

Grenzen akzeptieren: Um Dich physisch sowie moralisch nicht zu sehr zu verausgaben, ist es wichtig zu wissen, zu was Du fähig bist. Kurz gefasst: „Hör auf Dich“.

Bleib Deiner Rolle als Freund, Ehemann, Kind etc. treu und versuch nicht Krankenschwester zu spielen.

Pass auf Dich auf, nur dann kannst Du auch auf jemand anderen aufpassen.

Das ist keineswegs egoistisch. Im Gegenteil, hier geht es um Wohlwollen. Indem Du auf dich aufpasst, bist Du in der physischen und emotionalen Verfassung helfen zu können.

Nimm Dir Zeit: Du darfst Dich auf keinen Fall vergessen!! Gönn Dir ein wenig Zeit, nimm etwas Abstand von der Krankheit. Nimm Einladungen an, geh einen Café mit einer Freundin trinken, mach weiter Sport, denn all das tut Dir gut und gibt Dir wichtige Energie, die Du weitergeben kannst.

Du bist nicht alleine: Über Sorgen zu sprechen, hilft Lösungen zu finden. Sprich mit Deinen Freunden, mit dem Rest Deiner Familie. Soziale Kontakte sind wichtig, um diese schwere Lebensphase nicht alleine durchzustehen zu müssen.

Wenn Du kein Ohr findest, dann gibt es andere Anlaufstellen (Selbsthilfegruppen, Selbsthilfe Hotlines etc).

Nicht schuldig fühlen: Tiefpunkte, Rückschläge, Überforderung, all das ist normal. Du hast das Gefühl nicht genug oder auch falsch zu helfen? In diesem Fall solltest auch Du nach Hilfe fragen. Greif auf einen Freund oder auch einen Nachbarn zurück. Frag Deine Freunde ob sie auf Deine Kinder aufpassen können, Dir vom Einkaufen etwas mitbringen können. Auch Du hast das Recht nach Hilfe zu fragen.