Chemotherapie, Strahlentherapie und COVID-19: Welche Risiken bestehen?

Chemotherapie, Strahlentherapie und COVID-19: Welche Risiken bestehen?

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Bei einer Chemotherapie oder Strahlentherapie kann das Immunsystem geschwächt sein. Ein Abfall der weißen Blutkörperchen führt zu einer reduzierten Immunabwehr, was natürlich viele Fragen aufwirft: Bin ich einem höheren Risiko für COVID-19 ausgesetzt? Sollte ich meine Behandlungen fortsetzen? Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte ich treffen?

Wir haben hier die wichtigsten Informationen und Empfehlungen führender Institutionen wie dem Institut Gustave Roussy und dem Institut Curie zusammengestellt, um Ihnen einen besseren Überblick zu geben.

Sollte ich meine Chemotherapie während des COVID-19-Ausbruchs stoppen?

Im Allgemeinen: Nein. Eine Chemotherapie sollte nicht ohne ärztlichen Rat unterbrochen werden. Nach aktuellem Stand deuten die verfügbaren Daten nicht darauf hin, dass COVID-19 für Krebspatienten ein systematisch höheres Risiko darstellt. Dennoch entwickeln sich die Erkenntnisse aufgrund begrenzter Langzeitdaten weiter.

Die Fortsetzung der meisten Krebsbehandlungen stellt an sich kein erhöhtes Infektionsrisiko dar. Allerdings können in bestimmten Situationen Anpassungen sinnvoll sein, zum Beispiel:

  • wenn die Chemotherapie nicht dringend ist (z. B. Behandlung einer nicht-aggressiven Rückkehr);
  • wenn das Protokoll Cortison enthält, das für seine immunsuppressive Wirkung bekannt ist und das Infektionsrisiko erhöhen kann.

👉 Jeder Fall wird individuell bewertet. Es ist entscheidend, das Gespräch mit Ihrem Onkologen zu suchen, der Nutzen und Risiken erklärt, um gemeinsam eine fundierte Entscheidung zu treffen.

Welche Vorsichtsmaßnahmen sollten während der Behandlung ergriffen werden?

Wenn Sie sich einer Chemotherapie oder Strahlentherapie unterziehen, wird empfohlen, äußere Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, um das Ansteckungsrisiko zu verringern.

Sofern möglich:

  • nutzen Sie Telemedizin oder Videoanrufe für Arzttermine;
  • beschränken Sie nicht notwendige Reisen;
  • verlängern Sie Rezepte, wenn dies angeboten wird, aus der Ferne.

Viele Krebszentren haben zudem Begleitpersonenausschlüsse eingeführt. Patienten sollen ihre Behandlungstermine allein wahrnehmen, außer in Ausnahmefällen (Minderjährige, eingeschränkte Mobilität).

Hygienemaßnahmen bleiben unerlässlich:

  • Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes außerhalb;
  • häufiges und gründliches Händewaschen;
  • physische Distanz;
  • Vermeidung von Nähe.

Haben ehemalige Krebspatienten ein höheres COVID-19-Risiko?

Personen, die geheilt oder in Remission sind, scheinen derzeit kein höheres Risiko als die Allgemeinbevölkerung zu haben. Gleiches gilt für Patienten unter alleiniger Hormontherapie, die nicht als stärker exponiert gegenüber COVID-19 gelten.

Interview mit Dr. Faveyrial, Onkologin

Oncovia - Wie werden Patienten bei der Ankunft im Zentrum betreut?

Dr. Audrey FAVEYRIAL - Patienten werden vorab kontaktiert, um mögliche Infektionsrisiken im Rahmen des OPTIMA-Protokolls zu identifizieren. Außer in Ausnahmefällen (eingeschränkte Mobilität) sollen sie ohne Begleitung erscheinen. Bei Ankunft erhalten sie Masken und desinfizieren ihre Hände gründlich. Das Personal ist ebenfalls maskiert und befolgt verstärkte Hygienemaßnahmen. Diese Vorsichtsmaßnahmen schützen sowohl die Mitarbeiter als auch andere Patienten während der Chemotherapie. Patienten müssen Sicherheitsabstände einhalten. Im François Baclesse Zentrum werden Patienten nach Möglichkeit in separaten Räumen behandelt und die Anzahl der gleichzeitig anwesenden Patienten begrenzt.

Oncovia - Werden die Chemotherapien fortgesetzt?

Dr. Audrey FAVEYRIAL - Ja, Chemotherapien werden selbstverständlich durchgeführt. In sehr seltenen Fällen kann eine Behandlung verschoben oder abgesagt werden, wenn das Risiko einer COVID-19-Infektion höher ist als der Fortschritt der Krebserkrankung. Ärzte können die Anzahl der Sitzungen reduzieren, um die Immunität zu schützen.

Oncovia - Machen Chemotherapien anfälliger für Coronavirus?

Dr. Audrey FAVEYRIAL - Die meisten Standard-Chemotherapien erhöhen das Infektionsrisiko nicht signifikant. Bei fortgeschrittenen Krebsstadien sind jedoch besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, da der geschwächte Körper anfälliger für das Virus ist.

Oncovia - Welche Maßnahmen wurden getroffen, um Patienten sicher zu behandeln?

Dr. Audrey FAVEYRIAL - Alle Anpassungen und Ausfälle aufgrund von COVID-19 machen etwa 10–15 % der Aktivität im François Baclesse Krankenhaus aus. Ziel ist, den Schutz empfindlicher Patienten und des Personals mit der Fortführung der Behandlung zu vereinbaren. Die Pläne des Personals wurden angepasst, um die Behandlungszeiten zu verlängern und die Anzahl der Patienten gleichzeitig zu begrenzen. Einige Therapiepläne wurden angepasst, um Besuche zu reduzieren: orale Chemotherapie zu Hause, Anpassung der Gesamtdosis über weniger Zyklen, verstärkte Maßnahmen zum Erhalt der Immunantwort. Alle Geräte, einschließlich CT und Röntgen, werden desinfiziert.

Oncovia - In welchem Stadium der Behandlung sind Patienten am anfälligsten für Coronavirus?

Dr. Audrey FAVEYRIAL - Patienten mit soliden Tumoren (90 % der Krebserkrankungen), insbesondere nach kürzlich erfolgter Operation oder Chemotherapie, haben ein höheres Risiko für schwere COVID-19-Verläufe. Sie sollten bestmöglich vor Infektionen geschützt werden. Vielen Dank an Dr. Audrey Faveyrial und das François Baclesse Cancer Center für die ausführlichen Antworten. Ähnliche Maßnahmen gelten wahrscheinlich auch in anderen Einrichtungen.

Bericht von Dr. Audrey Faveyrial, Leiterin der Tagesstation des François Baclesse Cancer Centers in Caen, Normandie.

👉 Zusammengefasst: Sie sind nicht stärker gefährdet, sich mit dem Virus anzustecken, aber es ist wichtig, die hygienischen Maßnahmen strikt einzuhalten, um sich selbst und andere besonders gefährdete Personen zu schützen.

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