Gemeinsam Radfahren gegen Krebs

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Ein beispielhaftes Projekt zugunsten krebskranker Menschen

Im Jahr 2008, erhält Christian Erhard die Diagnose: Gehirntumor. Damals ist er 24 Jahre alt. Innerhalb von 6 Jahren wird er dreimal operiert. Im Jahr 2014 gründet er das vorbildliche Radprojekt „Tour for Life – Cycling against cancer“. Christian plant Radtouren durch ganz Europa, er möchte krebskranken Menschen und deren Angehörigen Mut machen und sie im Kampf gegen die schwere Krankheit unterstützen. Betroffene und nicht Betroffene, jeder, der sich für einen guten Zweck engagieren möchte kann an den Touren teilnehmen.

Wir haben Christian ein paar Fragen gestellt. Lesen Sie selbst! Wie kamst Du auf die Idee „Tour for Life“? Schon vor der Diagnose meiner Krebserkrankung habe ich fast täglich Sport in Form von Laufen, Mountainbiken, Kraftsport und Schwimmen betrieben. Meine große Leidenschaft und mein Wunsch war es, eine längere Zeit zu verreisen, neue Länder und Leute kennenzulernen.

2014 stand mir nach 2008 und 2010 die dritte Operation aufgrund des Gehirntumors bevor. Da der Tumor unmittelbar an der motorischen Region saß, war bei diesem erneuten Eingriff, das Risiko einer dauerhaften Lähmung greifbar. In dieser schwierigen Zeit bekam ich von Freunden und Familie, häufig rückgemeldet, mit welchem Kampfeswillen, welcher Entschlossenheit und Zuversicht ich mich meinem Schicksal stelle.

Da ich meine Träume hinsichtlich einer längeren Reise aufgrund der stetigen Rezidive nicht verwirklichen konnte, habe ich mir geschworen, dass, -falls ich die dritte Operation wieder unbeschadet überstehen würde, ich meinen Kampfeswillen und Lebensmut an andere in Form von gemeinsamen Radtouren quer durch Deutschland und Europa weitergeben werde. Tatsächlich war ich nach dem Eingriff eine Woche lang auf den Rollstuhl angewiesen, ich war unermesslich dankbar beobachten zu dürfen, wie sich diese im Laufe der nächsten Woche stetig zurück entwickelte.

Mit dieser Dankbarkeit darüber zum dritten Mal einen derartigen Eingriff überlebt und weitestgehend unbeschadet überstanden zu haben, setzte ich mich nur fünf Wochen nach dem Eingriff auf mein Fahrrad und fuhr knapp 1000 Kilometer von München nach Graz. In dieser Zeit nahm das Vorhaben Gestalt an und durch die unbeschreiblich schönen Erfahrungen, bleibenden Erinnerungen sowie gesundheitsförderlichen Aspekte der sportlichen Betätigung, taufte ich es auf den Namen “Tour for Life – cycling against cancer.“

Wie viel Zeit ist zwischen Planung und Umsetzung (1. Tour) ins Land gegangen? Zurück von meiner Tour von München nach Graz im August 2014, musste ich mich erst noch einer fünfwöchigen Bestrahlung unterziehen, bevor ich die erste offizielle gemeinsame Tour organisierte. Im Oktober 2014, fuhr ich schließlich mit sechs Mitfahrern in drei Tagen einmal rund um den Bodensee. Besonders schön war es neben Nicht-Betroffenen auch zwei Menschen die Möglichkeit einer Teilnahme an dieser Radtour gegeben zu haben, die es sich alleine nicht zugetraut hätten, diese Strecke zu bewältigen. Bestärkt durch diese Erfahrung organisierte ich im Jahr darauf eine Tour von Heidelberg über Speyer und Straßburg nach Freiburg sowie eine Tour von Freiburg über den Schwarzwald, entlang des Bodensee, durch das Allgäu über Füssen und Bad Tölz nach Passau.

Wie hast Du Dein Projekt bekannter gemacht, wie hast Du Aufmerksamkeit erzeugt? Zu Beginn galt es eine Web- und Facebookseite aufzubauen. Um konkret Mitfahrer/-innen zu finden habe ich stets im Vorfeld der jeweiligen Touren die Lokalpresse kontaktiert und um einen kurzen Artikel zu meiner geplanten Tour gebeten. Gleichzeitig habe ich Kontakt zur Deutschen Stiftung für Junge Erwachsene mit Krebs, dem Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg, der Hirntumorhilfe e.V. sowie dem in Freiburg ansässigen Verein Jung & Krebs aufgenommen. Im Rahmen der Tour for Life unterstütze ich diese in Form von Spendenaufrufen und Öffentlichkeitsarbeit. Zwischenzeitlich gibt es sogar ein Tour for Life-Radtrikot für alle die diese Arbeit unterstützenswert finden und sich für den guten Zweck einsetzen möchten. Der Erlös aus dem Verkauf kommt den oben genannten Vereinen und Organisationen zu Gute.

Dürfen nur Krebspatienten mitradeln? Nein, jeder betroffen oder nicht, der sich gerne für den guten Zweck engagieren möchte ist herzlich dazu eingeladen an den Touren, auch etappenweise teilzunehmen. Umso mehr Menschen daran teilnehmen und darüber sprechen umso mehr Aufmerksamkeit und Sensibilisierung kann für das Thema “Lebensfreude mit Krebs“ in der Öffentlichkeit geschaffen werden.

Warum Radfahren und nicht Wandern? Ich bin ebenfalls ein begeisterter Wanderer. In 2010 bin ich in einer von Basel nach Brienz gelaufen. Das war eine sehr schöne Zeit. Nach meiner Alpenüberquerung mit dem Rad im vergangenen Jahr, werde ich im August an meiner ersten Alpenüberquerung zu Fuß teilnehmen. Gleichzeitig hat das Fahrradfahren für mich den Vorteil, dass ich an einem Tag wesentlich größere Strecken zurücklegen kann. Es ist einfach beeindruckend auf zwei Wochen zurückzublicken und zu sehen, dass man in dieser Zeit gerade von Deutschland an die italienische Adria aus eigener Kraft gefahren ist. Dabei symbolisiert das Fahrrad für mich auch das nachhaltigste Fortbewegungsmittel.

Wie kann man an Deinen Touren teilnehmen? Am einfachsten ist die Kontaktaufnahme über die Web- und Facebookseite, oder direkt via Mail an christian@tourforlife.org.

Was ist für 2017 geplant? In diesem Jahr wird unter anderem eine dreitägige Tour entlang des Rheinradweg von Basel über Schaffhausen, vorbei an Stein am Rhein nach Konstanz stattfinden. Darüber hinaus ist eine zehntägige Tour von Berlin nach Usedom geplant. Außerdem wird die ein oder andere Tagestour im Raum Freiburg stattfinden. Beispielsweise von Freiburg ins französische Colmar, oder Ausflüge zu Straußwirtschaften am Kaiserstuhl. Am 09.09. werde ich mit einer Bekannten, welche sich in Form von Teilnahmen an Laufveranstaltungen für die Krebsforschung engagiert, eine Radtour in Heidelberg anbieten. Mehr dazu und zu den geplanten Touren erfahrt ihr auf der Webseite www.tourforlife.org

Gab es schon einmal Schwierigkeiten, Streit unter den Teilnehmern? Nein, die Gruppe hat stets harmoniert und wir hatten alle eine schöne, erlebnisreiche Zeit mit zahlreichen schönen bereichernden und auch witzigen Augenblicken. So wie bei der ersten Bodenseetour, als ein Teilnehmer total begeistert im Oktober baden wollte. Dabei hatte er seine Badehose vergessen, was ihn aber nicht davon abgehalten trotzdem ins kühle Nass zu springen.

Warum ist die Tour for Life so einzigartig? Ich denke, dass hierbei spürbar ist, dass die Touren mit Herzblut, Freude und Hingabe geplant und durchgeführt werden. Das besondere sehe ich auch darin, dass jeder jederzeit an den Touren kostenlos teilnehmen kann und somit wieder ein Stück Lebensfreude, durch neue bestärkende Erfahrungen sammeln kann. Gleichzeitig unterstütze ich mit der Tour for Life oben genannte Vereine und Organisationen um das Leben von an Krebs Betroffenen zu verschönern und die Krebsforschung zu fördern. Dafür bin ich für Spenden immer sehr dankbar.

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